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Karriere mit Kind – oder wie vereinbare ich Privatleben und Beruf?

Aktuell arbeite ich Vollzeit als angestellte Führungskraft in einem internationalen Unternehmen und als freiberuflicher Coach. Mein Sohn ist mittlerweile 8 Jahre alt. Vollzeit arbeite ich seitdem er etwa 15 Monate alt ist und  ich habe es nie bereut. War es immer einfach? Nein, ganz sicher nicht. Aber es ist machbar und auch gut machbar. Wie ich trotz Kind meine persönlichen Karriereziele verfolge und mein Privatleben trotzdem nicht zu kurz kommt, erzähle ich Dir in diesem Beitrag.

Schadet es meinem Kind, wenn ich arbeite?

Wir Mamas zweifeln oft, wenn wir eine Karriere mit Kind anstreben. Fragen wie: Bin ich eine schlechte Mutter, wenn ich arbeiten gehe? Wird mein Kind schaden nehmen? Schaffe ich das? Was denken andere Mütter womöglich über mich? „Warum habe ich ein Kind, wenn ich arbeiten will?“ Sind für eine Working Mom ganz normal. Ich kenne wirklich keine arbeitende Mutter, die sich eine dieser Fragen nicht schon gestellt hat. Und wisst ihr was? Männer bzw. Väter stellen sich solche Fragen nicht.

Traditionelle Rollenbilder

Für einen Mann wäre es  aus traditioneller und heute noch fest verankerter Sicht eher unnormal, wenn er als Vater nicht arbeiten ginge. Man würde ihm vorwerfen, er würde seine Familie nicht versorgen. Schließlich gehört sich das so. Diese Haltung spiegelt die immer noch aktuelle allgemeingültige gesellschaftliche Sichtweise wieder.

Unsere Gesellschaft befindet sich jedoch im Wandel. Unser Frauenbild, unser Familienbild wandelt sich. Allerdings war es in der Vergangenheit für viele unserer Mütter noch ziemlich normal, dass der Mann arbeiten geht und die Frau zuhause die Kinder hütet und sich um den Haushalt kümmert. Unsere Mütter kannten es zum großen Teil gar nicht anders. Es gab damals sogar noch Ausbildungen im Bereich der Hauswirtschaft, die nur Frauen absolviert haben. Unsere Mütter werden uns deshalb eher wenige Impulse in Bezug auf eine Karriere mit Kind geben können.

Was ich sagen will: Uns Frauen heute fehlen sogenannte „role models“. Frauen, die zeigen, dass es auch anders geht. Und vor allem, dass es möglich ist eine Karriere mit Kind zu haben, ohne dass es nachteilig für unsere Kinder ist. Wenn Du eine Mutter hast, die für Dich dieses Vorbild sein konnte, dann hast Du großen Glück. Die Realität sieht leider anders aus.

Kind oder Karriere? Das ist hier die Frage

Leider ist in unserer Gesellschaft der Glaube verankert, dass man als Frau entweder eine Karriere haben oder ein Kind haben kann. Eine Karriere mit Kind ist für viele schwer vorstellbar. Sowohl für die betroffenen Frauen selbst als auch für deren Umfeld.

Kind oder Karriere ? Aus meiner Sicht ist jedoch die falsche Frage. Warum sollte eine Karriere für uns Mütter ausgeschlossen sein, wenn wir Kinder haben, während es für Väter machbar ist? Noch viel mehr, bei Männern gehört es „zum guten Ton“ Familie zu haben. Kinder sind in Männerkreisen ein Statusymbol während sie bezogen auf eine Mutter eher Makel zu sein scheinen.

Ich habe noch nie einen Mann sagen hören: Auf meine Karriere musste ich verzichten, wegen meiner Kinder.

Sicherlich braucht ein gestilltes Kind im ersten Lebensjahr mehr die Nähe der Mutter, aber mit zunehmenden Alter können auch Väter, Tagesmütter, Kinderfrauen, die Großeltern oder ein Au Pairs die Kinderbetreuung übernehmen.

Alternative Betreuungsmöglichkeiten

Es gibt eine Vielzahl von Betreuungsmöglichkeiten, die es jeder Mutter ermöglichen ihre persönliche Ziele zu verwirklichen. Oft ist eine Kombination aus den verschiedensten Optionen aus meiner Sicht die beste Lösung. Jede Familie muss hier ihr eigenes Modell finden.

Kita, Hort, Großeltern, Au Pair & Co.

Die meisten Kitas und Schulen bieten heutzutage bereits längere Betreuungszeiten an. So ist es üblich, dass die Kinder meistens von 7.30 bis 16.30 Uhr von Montags bis Freitags betreut sein können. Ich habe auch die Erfahrung gemacht, dass das meistens sehr gut klappt. Der Vorteil: Die Kinder können mit gleichaltrigen Spielen und werden auch bei den Hausaufgaben beaufsichtigt. Sicher ist noch nicht alles perfekt und es gibt in dieser Sache noch viel zu tun, aber es ist möglich bei guter und zeitiger Planung entsprechende Betreuungsmöglichkeiten zu finden.

Betreuung durch Großeltern

Des weiteren gibt es bei uns feste Oma bzw. Opa Tage. Wenn die Großeltern in der Nähe sind und man sich über die grundlegenden Erziehungsgrundlagen geeinigt hat, funktioniert das ganz wunderbar. Bei den Großeltern ist es oft nicht schlimm, wenn man dann mal eine Stunde später kommt. Auch für die Betreuung über Nacht eignen sich Großeltern ganz hervorragend und für die Kleinen ist es ein großes Abenteuer bei Oma und Opa zu schlafen. Oftmals hat man als Mutter bei der eigenen Familie auch größeres Vertrauen, dass sich gut gekümmert wird.

Betreuung durch ein Au Pair

Die beste Betreuungsform für uns ist und bleibt jedoch ein Au Pair. Wir haben schon mehrere Au Pairs bei uns gehabt und jedes einzelne war eine echte Bereicherung für die Familie. Die Betreuung durch ein Au Pair hat viele Vorteile, denn sie ermöglicht mir extrem viel Flexibilität. Ein Au Pair ist vor allem für Familien, die sehr offen sind eine gute Option. Wir mögen es neue Menschen kennen zu lernen und diese auch in unserem Haus leben zu lassen. Unsere Au pairs sind wie große Schwestern oder Brüder für meinen Sohn. Sie bringen neue Kulturen und Ansichten in die Familie, sie erweitern den eigenen Horizont und machen das Haus lebendiger. Für uns stellt dies eine wahre Bereicherung dar, allerdings gibt  auch es viele Menschen, die diesbezüglich eine andere Einstellung haben. Ich rate jeder Familie dazu es mal zu versuchen bevor ein Au pair pauschal abgelehnt wird.

Flexible Arbeitsmodelle

Seit einigen Jahren bieten viele Unternehmen immer flexiblere Arbeitsmodelle. Es gibt flexible Home Office Regelungen, Optionen für Sabbaticals, flexible Zeiteinteilung, eigene Kitas in Unternehmen und viele technische Neuerungen, die ein ortsunabhängiges Arbeiten ermöglichen.

Sei die Erste!

Es bedarf immer einer Person, die bestimmte Dinge zum ersten Mal umsetzt. Genauso erging es mir mit meinem Wunsch Kind und Karriere miteinander zu verbinden. Deswegen ist es wichtig, dass wir Mütter auch ein bisschen mutig sind, um unsere Träume zu verwirklichen. Nur, weil es noch niemand anders vor uns versucht hat, heißt es nicht, dass es nicht funktioniert.

Einfach mal machen, könnte ja gut werden.

Ich war viele Jahre lang die einzige vollzeitarbeitende Mutter in meinen Teams. Heute treffe ich Hin und Wieder eine Mutter, die sich auch an eine Karriere mit Kind wagt. Es sollten sich allerdings mehr Frauen trauen dies zu tun. Wir haben nichts zu verlieren, versuchen kostet nichts oder nicht viel. Gemäß dem Sprichwort, wer nicht wagt, gewinnt nicht.

Väter in die Pflicht nehmen

Das traditionelle Rollenbild gilt es zu überkommen. Insbesondere heutzutage, da Mädchen durchschnittlich das bessere Abitur aufweisen, (vgl. Artikel in der FAZ) aber auch im Studium schneiden Männer nicht wesentlich besser ab als Frauen. Wobei sich im Studium die Dinge bereits beginnen zu wandeln. Die sogenannten „Kuschelfächer“ mit geringerer späterer Einkommenserwartung werden vermehrt von Frauen belegt, Männer belegen Wirtschaft, Naturwisschenschaften und Jura. Trotzdem stehen Frauen in Bezug auf Qualifikation Männern in nichts nach. Frauen sind  prinzipiell genauso qualifiziert für ein Familieneinkommen zu sorgen wie Männer.

Männer können auch Windeln wechseln

Leider erlebe ich immer wieder Familien in denen Männer nicht wissen wie man eine Waschmaschine bedient, wie man die einfachsten Gerichte kocht, wie man ein Baby wickelt oder ein Fläschen warm macht. Dafür gibt es zwei Gründe: 1. Männer halten sich auf diesem für sie unsicheren Terrain eher zurück und 2. Wir Frauen neigen dazu die Väter nicht in die Pflicht zu nehmen.

Ausreden sind die Folge. „Wenn ich es mache, geht es schneller.“ „Er kapiert es einfach nicht.“ „Er ekelt sich davor.“ „Ich kann es nicht ändern, er ist eben so.“ „Er verdient doch das meiste Geld, dann muss er solche Dinge nicht machen“.

Solche Ausreden sind eher die Regel als die Ausnahme. Und leider ist es auch unser Job unseren Partnern, Ehemännern oder Vätern klar zu machen, dass Kindererziehung heutzutage eben nicht nur Frauensache ist.

Partnerschaft auf Augenhöhe

Je mehr wir mit unseren Partnern und Vätern unserer Kinder auf Augenhöhe sind, desto einfacher können wir ein Erziehungs- und Betreuungsmodell, dass unsere beruflichen Karrieren fördert, umsetzen. Deswegen ist ein wertschätzendes und respektvolles miteinander essentiell für eine eine Karriere mit Kind. Sobald unser Partner uns beispielsweise in die Rabenmutterrolle drängt, werden wir Schwierigkeiten haben unsere Ziele umzusetzen. Aber auch, wenn der Vater bestimmte Kinderbetreuungsthemen nicht bei sich sieht, wird eine erfolgreiche Karriere für uns Mütter schwierig.

Priorisierung als Schlüssel

Wie sieht nun aber der Alltag aus? Wie sieht es mit der Vereinbarkeit von Kindern und Beruf aus?

In meinen Augen bedarf es zweier Fähigkeiten: Planung und Priorisierung. Im Grunde klassische oder auch agile Projektmanagementfähigkeiten. Die wichtigste Nachricht vorab: beides kann man gut lernen.

Projekt = Familie

Man kann eine Familie wie ein Projekt sehen. Als Mutter bist Du dann quasi die Projekt- bzw. Familienmanagerin. Auch in der Familie gibt es wie bei Projekten Aktivitäten, To-do’s und feste Termine. All diese gilt es zu priorisieren und zu bewerten. Je komplexer man selbst die eigene Situation empfindet, desto mehr sollte in einem ersten Schritt alles notiert und priorisiert werden. Es gibt dafür mittlerweile Familienplanungs Apps. Wir nutzen diese nicht, da wir eine sehr kommunikationstarke Familie haben und wir eher über persönlich, telefonisch oder über WhatsApp Familienangelegenheiten koordinieren. Sobald diese Dinge funktionieren, sich eingespielt haben und erprobt sind, kann man das Ganze auch mal „laufen lassen“. Dann ist der Alltag auch mit weniger Planung möglich.

Jeden Morgen spreche ich immer mit meinem Mann über die Dinge, die offen sind, die erledigt sind und ob ich Hilfe brauche. Das entspricht dem sogenannten Daily Stand up im agilen Projektmanagement. 😉 Jede Woche gibt es mehr oder weniger feste Termine (sie sind fest in der Aktivität, aber flexibel in der Uhrzeit), die nur die Familie betreffen. Wenn für mich bestimmte Dinge zeitlich eng werden, delegiere ich diese immer an meinen Mann, das Au pair, Freunde oder an die Großeltern. So muss ich zwar im Voraus planen, stelle aber sicher, dass ich mich nicht übernehme.

Kein schlechtes Gewissen

Zum Schluss ist mir sehr wichtig, an alle Frauen zu appellieren, kein schlechtes Gewissen zu haben, wenn ihr ein Kind und Karriere vereinbaren möchtet. Ich bin in einem früheren Blogpost zum Thema Muttertyp bereits auf diese Thematik eingegangen. Jede Mutter ist anders. Manche Frauen gehen in ihrer Mutterrolle mit all ihren Konsequenzen auf, andere brauchen die persönliche berufliche Herausforderung.

Wir sind keine schlechteren Mütter, nur weil wir unsere eigenen Ziele und Wünsche verwirklichen wollen. Unseren Kindern geht es nicht schlechter, nur weil wir nicht den ganzen Tag über Zuhause sind. Mein Sohn beispielsweise ist ein ganz normaler Junge, der aber auch sehr stolz ist, dass seine Mutter für viele große Automobilunternehmen gearbeitet hat.

Wir müssen uns befreien von Vorurteilen und Meinungen anderer. Wir, Working Moms, sollten uns gegenseitig unterstützen, so dass es möglich ist eine Karriere mit Kind haben zu können.

 

 

 

 

 

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